
Laut zwei anonymen, informierten Quellen ist Cantor, ein Finanzdienstleistungsunternehmen aus Wall Street, derzeit eines der Investmentbanken, die potenzielle IPO-Dienstleistungen für die Kryptowährungs-Handelsplattform FalconX anbieten. Die Quellen berichten, dass FalconX bereits erste informelle Gespräche mit möglichen Beratern über den Börsengang geführt hat, aber bislang noch keine Bank offiziell beauftragt wurde.
Der Wettbewerb um den Auftrag für den IPO ist auf Wall Street üblich, doch Cantor verfügt in diesem Wettbewerb über spezifische Vorteile, die andere Banken kaum kopieren können – nämlich eine bereits bestehende enge Zusammenarbeit im Bereich institutioneller Krypto-Kreditvergabe.
Im Jahr 2025 initiierte Cantor ein Kreditprogramm im Umfang von 2 Milliarden US-Dollar, das auf Bitcoin basiert, und stellte FalconX eine Anfangskreditlinie von über 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Diese Vereinbarung ermöglicht es FalconX, Bitcoin als Sicherheit zu verwenden, um Kredite aufzunehmen, ohne Vermögenswerte verkaufen zu müssen, und so Liquidität zu gewinnen. Es ist eine der ersten bedeutenden Kreditdienstleistungen, die Cantor FalconX anbietet.
Dieser Ansatz, „zuerst Kreditbeziehungen aufzubauen und dann um den IPO-Beraterposten zu konkurrieren“, ist eine typische Strategie von Investmentbanken, um institutionelle Beziehungen im Kryptowarkt zu etablieren – durch frühzeitige Kreditunterstützung wird FalconX tief in das Management seiner Bilanz eingebunden, was dazu führt, dass Cantor bei der IPO-Planung einer der ersten Finanzberater ist, die kontaktiert werden.
Doch Cantors Engagement im Kryptowährungsbereich beschränkt sich nicht nur darauf. Das im Jahr 1945 gegründete Traditionsunternehmen aus Wall Street verwaltet derzeit die US-Staatsanleihenreserven von Tether und hat in mehrere Krypto-Unternehmen investiert. Es hat sich klar positioniert, um die Infrastruktur für Blockchain und den Handel mit digitalen Vermögenswerten zu unterstützen, und gilt als eines der kryptofreundlichsten traditionellen Finanzinstitute.
FalconX wurde 2018 gegründet und ist ein führender Prime Broker für digitale Vermögenswerte, der große institutionelle Kunden wie Hedgefonds, Asset-Manager und Market Maker bedient. Das Dienstleistungsangebot umfasst Handel, Liquiditätsbeschaffung, Kreditvergabe und Clearing. Die letzte Finanzierungsrunde war eine Series D im Juni 2022, bei der 150 Millionen US-Dollar eingesammelt wurden, was das Unternehmen auf eine Bewertung von 8 Milliarden US-Dollar brachte.
Um eine breitere Basis für den möglichen Börsengang zu schaffen, hat FalconX im Jahr 2025 drei bedeutende Akquisitionen abgeschlossen:
Arbelos Markets: Spezialist für Derivatehandel, stärkt die Expertise im Bereich Krypto-Derivate
Monarq Asset Management: Mehrheitsbeteiligung, Ausbau des Asset-Management-Geschäfts
21Shares: Emittent von Krypto-ETPs (Exchange Traded Products), ein wichtiger Schritt für FalconX in den regulierten Investmentmarkt
Diese Akquisitionen bilden die strategische Grundlage für den bevorstehenden Börsengang: Integration von Handels-, Derivate- und Asset-Management-Infrastruktur, um eine umfassende Plattform für institutionelle Krypto-Dienstleistungen zu schaffen und so eine stärkere IPO-Bewertung zu ermöglichen.
Marktanalysten sind der Ansicht, dass Cantors bestehende Kreditpartnerschaften einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellen. Allerdings umfasst ein IPO-Underwriting in der Regel ein Konsortium mehrerer Banken, und die endgültige Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Fähigkeit der Banken, institutionelle Investoren zu erreichen, die Bewertung des Unternehmens und die Tiefe der Forschung im Krypto-Sektor. Es ist wahrscheinlicher, dass Cantor als einer der Haupt-Underwriter beteiligt ist, anstatt alleiniger Berater zu sein, da FalconX groß genug ist, um mehrere Institutionen zu benötigen.
Der Markt ist tatsächlich herausgefordert. Bitcoin fiel von seinem Höchststand im Oktober bei 126.000 US-Dollar auf etwa 70.000 US-Dollar. Kraken hat aufgrund des Marktdrucks ebenfalls seine IPO-Pläne pausiert, nachdem es zuvor bereits einen Antrag bei der SEC eingereicht hatte. Bisher ist BitGo (BTGO) das einzige börsennotierte Krypto-Unternehmen, dessen Aktien seit dem IPO um etwa 40 % gefallen sind. Vor diesem Hintergrund hängt die endgültige Entscheidung, ob und wann FalconX an die Börse geht, stark von der Marktentwicklung und der Risikobereitschaft der Investoren im Bereich der Krypto-Finanzinfrastruktur ab.
Cantor Fitzgeralds Engagement im Krypto-Sektor geht auf eine frühe Einschätzung der Trends im digitalen Asset-Markt zurück. Die Verwaltung der US-Staatsanleihenreserven von Tether macht das Unternehmen zu einem der wichtigsten traditionellen Akteure im Stablecoin-Ökosystem. Zudem spiegeln die Kreditprogramme für Bitcoin und die Investitionen in mehrere Krypto-Unternehmen eine systematische Strategie wider, traditionelle festverzinsliche Kreditfähigkeiten auf den digitalen Vermögenswert-Markt auszuweiten. Dies passt auch zur pro-krypto Haltung von CEO Howard Lutnick.