Bitmine Immersion Technologies kaufte letzte Woche erneut 65.000 ETH (ca. 139 Millionen USD) und hält jetzt über 4,6 Millionen ETH, was 77 % des Ziels von 5 % des Angebots entspricht. Vorsitzender Tom Lee kündigte gleichzeitig an, dass der „Mini-Krypto-Winter“ bald vorbei sei, gestützt durch die Outperformance von Ethereum während des Iran-Konflikts.
(Vorgeschichte: Bitmine kauft weitere 51.000 ETH, Gesamtbestand steigt auf 4,42 Millionen! Tom Lee: Die drei wichtigsten Fundamentaldaten stützen Ethereum)
(Hintergrund: Wer hält die meisten ETH, hat es am schlimmsten? Bitmine besitzt 560.000 ETH, der Aktienkurs ist innerhalb eines Monats um 80 % eingebrochen)
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Ein Unternehmen mit mehreren Hundert Millionen USD Verlust in der Bilanz veröffentlicht am Montag eine Erklärung, dass der Markt-Winter bald vorbei sei. Dieses Szenario verdient eine genaue Analyse, anstatt es einfach zu akzeptieren.
Bis letzte Woche hielt Bitmine über 4,6 Millionen ETH, etwa 3,86 % des aktuellen Circulatings von 120,6 Millionen. Das Ziel von 5 % ist noch ca. 1,4 Millionen ETH entfernt. Bei einem aktuellen Kurs von ca. 2.130 USD pro ETH würde die Ergänzung dieses Fehlbetrags etwa 29 Milliarden USD kosten.
Das ist keine kleine Summe. Bitmine verfügt derzeit über 1,1 Milliarden USD in bar, hält 196 BTC, Anteile an Beast Industries (Media-Unternehmen von MrBeast im Wert von 200 Mio. USD) sowie Anteile an Eightco Holdings (E-Commerce-Asset-Management im Wert von 95 Mio. USD). Die Vermögenswerte sind diversifiziert, doch die Barreserven sind im Vergleich zum Ziel noch immer unzureichend.
In den letzten drei Wochen hat das Unternehmen bewusst eine hohe Kaufrate beibehalten. Das macht strategisch Sinn, doch man kann es auch anders interpretieren: Je mehr man bei fallenden Kursen kauft, desto tiefer die Buchverluste, desto teurer der Ausstieg.
Einer von Tom Lees Kernargumenten ist, dass nach dem Iran-Konflikt ETH um 18 % gestiegen sei, während der Aktienmarkt um 2.450 Basispunkte besser abschnitt, Gold hingegen um mehr als 15 % gefallen sei. Damit soll gezeigt werden, dass Kryptowährungen eine „Kriegs-Wertspeicher“-Funktion zeigen.
Die Daten sind nicht falsch, aber der Betrachtungszeitraum ist kurz. Es handelt sich um eine kurzfristige relative Performance innerhalb weniger Wochen, und die Marktreaktion auf den Iran-Konflikt ist hochgradig unsicher. Das schlechte Gold-Performance in diesem Zeitraum bedeutet nicht, dass ETH Gold in der Fluchtwährung ersetzt. Kurz gesagt: Ein kurzfristiger Outperform reicht nicht, um eine jahrzehntelange Asset-Positionierung zu ändern.
Außerdem ist ETH seit dem Hoch im August letzten Jahres bei 4.946 USD um mehr als 55 % gefallen. Das „Outperformen“ im Vergleich ist eine relative Größe, der absolute Verlust besteht weiterhin.
Bitmine strebt an, 5 % des zirkulierenden Angebots an ETH zu halten. Ein oft übersehener Punkt: Ethereum hat kein festes Maximalangebot.
Das Angebot hängt vom Verhältnis von Verbrennungen und neuen Emissionen ab. Ob die Versorgung leicht deflationär oder inflationär ist, hängt von der Nutzung des Netzwerks ab. Das bedeutet, dass das 5 %-Ziel eine bewegliche Zielmarke ist. Bei hoher Aktivität und mehr Verbrennungen sinkt die Versorgung, das Ziel wird leichter erreichbar; bei geringerer Aktivität steigt es. Das ist kein schwerwiegender Nachteil, aber die Aussage, „5 % des Angebots“ sei ein exakter Meilenstein, ist etwas zu konkret für eine dynamische Zahl.
Außerdem hat Bitmine bereits über 3 Millionen ETH gestaked. Ein hoher Staking-Anteil schränkt die Liquidität ein. Bei kurzfristigem Druck, z.B. bei weiter fallenden Kursen, ist die Flexibilität beim Verkauf dieser Positionen begrenzt.
Analysten von Standard Chartered weisen darauf hin, dass bis 2025 viele Unternehmen in Krypto-Strategien investieren werden, doch nicht alle langfristig durchhalten. Einige könnten ihre Strategien anpassen oder sich allmählich zurückziehen. Bitmine ist derzeit der größte institutionelle ETH-Halter, der Zweitplatzierte, SharpLink Gaming, hält nur 863.000 ETH – ein großer Abstand.
Der Vorsprung ist real, aber er bedeutet nicht automatisch Sicherheit. Je größer die Position, desto größer das potenzielle Marktrisiko.
Tom Lees „Auferstehung des Winters“ ist nicht unbegründet: Fortschritte bei CLARITY und die kurzfristige relative Stärke von ETH sind positive Signale. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Ein Unternehmen, das innerhalb eines Monats 80 % seines Aktienwerts verliert, durch kontinuierliche Baraufstockung und öffentliche Ankündigungen eines Marktwechsels, verbindet Glauben mit einer gewissen Herausforderung, wieder Vertrauen zu gewinnen.
Der Markt ist immer richtig – bis er es nicht mehr ist. Wenn ETH letztlich auf das Zielniveau steigt, wird Bitmines Strategie als vorausschauend gelten. Wenn nicht, wird diese Bilanz anders in Erinnerung bleiben.