KI, verschlingt den Einzelhandel... Das Ende der „Chatbots“, die Ära der „Intelligenzen“ beginnt

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Der Einzelhandelssektor befindet sich an einem grundlegenden Wendepunkt. Künstliche Intelligenz(AI) ist nicht mehr nur ein fernes Experimentierwerkzeug, sondern wird allmählich zum Kernbetriebssystem des Einzelhandels. Von Bestandsanpassungen, Kundenerlebnis, Marketing bis hin zur Lieferkette – AI überquert alle Bereiche des Einzelhandelsgeschäfts und wandelt sich vom Berater zum echten Akteur.

Bis 2027 wird AI nicht mehr nur ein Bestandteil der Technologie sein, sondern als Betriebssystem für das gesamte Geschäftsmodell integriert. Der Chief Scientist von Databricks, Jonathan Frankel, erklärt: „AI ist nur eine andere Form der Berechnung im Vergleich zu traditionellen Ansätzen.“ Dies unterstreicht, dass AI kein Funktionsbestandteil ist, sondern eine Plattform-übergreifende Transformation bedeutet.

Der Kernwandel besteht nicht darin, ob AI eingeführt wird, sondern darin, wie sie zu einem tatsächlichen Wettbewerbsvorteil aufgewertet wird. CIO-Berater Tim Crawford erklärt: „Wir entwickeln uns über die Chatbot-Phase hinaus und hin zu wirklich umsetzbaren Systemen“, und betont, dass die Einführung von AI eine Umstrukturierung auf Betriebssystemebene und eine Governance-Revolution erfordert.

Der zentrale Fokus bei der Einführung von AI bewegt sich in Richtung der Schaffung eines „montierbaren AI-Stacks“, um individuellere intelligente Lösungen zu ermöglichen. Einzelhändler wählen und kombinieren Modelle und Tools, die ihrem eigenen DNA entsprechen, um sich von der Abhängigkeit von bestimmten Anbietern zu lösen. Steven Orban von Databricks beschreibt diese Veränderung als „nicht nur eine Retail-Show, sondern eine Tech-Show“ und hebt den Paradigmenwechsel hin zu einer technologiezentrierten Herangehensweise hervor.

Der Übergang von analytischer AI zu verhaltensbasierter „Intelligent Agent AI“ ist ebenfalls bemerkenswert. Nitin Mantani, Leiter des Salesforce Retail-Bereichs, sagt, dass AI sich über die reine Datenextraktion hinausentwickelt und in Richtung tatsächlicher Handlungen voranschreitet. Das bedeutet, dass AI-Systeme nicht nur Bestandsungleichgewichte erkennen, sondern auch automatisch korrigieren können.

Diese Veränderung fördert auch eine mitarbeiterzentrierte digitale Kollaborationsstruktur. Mike Mikuč, CEO von Fabric, erklärt, dass sie rollenbasierte AI-Intelligenzen für Filialleiter und Betreiber bereitstellen, die keine Dashboards sind, sondern als „digitale Kollegen“ bei der Arbeit unterstützen.

Besonders sichtbar wird die Wirkung dieses Wandels zunächst innerhalb der Organisation. Das Wissen, das in Dokumenten, Altsystemen und Teamstrukturen verborgen ist, wird durch AI-Intelligenzen neu verbunden, was die Betriebsamkeit und Konsistenz im gesamten Unternehmen erhöht. Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie AI über die reine Unterstützung hinaus als „Nervensystem“ des Unternehmens fungiert.

Interessanterweise bietet die Kraft der AI vor allem kleinen und mittleren Einzelhändlern größere Chancen als großen Unternehmen. Unternehmen, die schnell intelligente Agenten-Systeme einführen, können sich relativ von der Margen- und Volumenstrategie lösen, da sie auch ohne feste Ausgaben hohe Servicequalität bieten können und so ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Kleinere, agile Unternehmen, die unnötige Hierarchien abbauen, entwickeln sich zu „klein, aber mächtig“.

Zudem entwickelt sich der digitale Handel vom „PC-basierten“ hin zum „kontextbasierten“ Ansatz. Kunden scrollen nicht mehr nur durch Produkte, sondern erkunden sie anhand ihrer Absicht via Sprache, Video, Text und anderen Kanälen. AI lernt diese Informationen in Echtzeit und gestaltet personalisierte Einkaufserlebnisse. Mantani diagnostiziert, dass „der Laden selbst sich in einen lebendigen Organismus verwandelt“.

Auch stationäre Geschäfte sind nicht ausgeschlossen. AI ist nicht nur auf vollständige Automatisierung ausgerichtet, sondern wird durch Sensorik und Analysefunktionen zu „intelligenten Geschäften“, in denen Mitarbeiter von repetitiven Aufgaben befreit werden und sich auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren können.

Der wahre Wert von AI zeigt sich am deutlichsten in der Lieferkette. Angesichts der zunehmend unvorhersehbaren globalen Lieferketten übernimmt AI Aufgaben wie die Echtzeit-Neuplanung von Beständen, die Empfehlung alternativer Logistikrouten und die Nachfrage-Simulation. AI ist nicht mehr nur ein Werkzeug zur Kosteneinsparung, sondern eine Waffe zum Schutz der Gewinne und zur Sicherung des Markenvertrauens.

Gleichzeitig dringen Robotik und physische AI-Technologien zunehmend in den Einzelhandel vor. Autonomes Fahren, robotergestützte Kommissionierung und andere Anwendungen sind keine Laborideen mehr, sondern werden in realen Logistiklagern integriert. AI beginnt, die „reale Welt“ zu steuern, und nicht nur den virtuellen Bereich.

Doch ob all diese Leistungsfähigkeiten realisiert werden können, hängt letztlich vom Menschen ab. Selbst mit hochleistungsfähigen AI-Modellen ist die Wirkung begrenzt, wenn es an der Fähigkeit fehlt, sie in die Organisation zu integrieren und umzusetzen. Führungsstärke und Betriebsstrategie sind wichtiger als Programmierung und erfordern eine Neugestaltung der Organisationsebene.

Der letzte Wettbewerbspunkt bei der Verbreitung von AI ist die „Reasoning-Infrastruktur“. Die für Vorhersagen oder Empfehlungen benötigten Rechenressourcen sind enorm, und ihre Effizienz und Stabilität sind entscheidend für die Geschwindigkeit und den Gewinn des Geschäfts. Dies ist der Grund, warum der Blickwinkel sich verschiebt: von AI als reine Technologie hin zu AI als grundlegende Infrastruktur des Geschäfts.

Heute hat der Einzelhandel die Einführungsphase hinter sich gelassen und befindet sich in der Phase der Etablierung. Die Experimente sind vorbei, die Systeme werden aufgebaut. Die Ära der Technologieeinführung und des Benchmarkings ist vorbei. Die nächsten 12 Monate werden eine entscheidende Phase sein, in der nicht nur „AI genutzt“ wird, sondern wer die Retail-Branche im AI-Zeitalter definieren wird.

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