Autor: Frank, PANews
Die Aktivitäten im NEAR-Intent-Layer (NEAR Intents) haben kürzlich stark zugenommen, das Tagesvolumen an Transaktionen stieg auf über 200 Millionen US-Dollar, die daraus resultierenden Gebühren erreichten zeitweise über 400.000 US-Dollar. Betrachtet man diese Zahlen, liegt das Transaktionsvolumen nur noch hinter den populären Blockchains Ethereum, Solana und BSC, und die Gebühren liegen ebenfalls in den Top Fünf aller Chains.
Dieser „Daten“-Boom hat nicht nur NEAR, das lange Zeit im Stillstand war, wieder auf die Mainstream-Agenda gebracht, sondern lässt auch die Frage aufkommen: Wird NEAR dadurch wieder aufsteigen? Doch was genau bedeuten die 400.000 US-Dollar an Gebühren? Können sie wirklich den „Aufstieg“ von NEAR tragen?
Um diese Datenexplosion zu verstehen, muss zunächst geklärt werden, was genau NEAR Intents sind.
NEAR Intents (Intentionsebene) ist eine neue Art der Transaktionsinfrastruktur, die von NEAR Protocol ab November 2024 eingeführt wurde. NEAR Intents ist einer der drei Kerntechnologien des NEAR-Architektur-Frameworks und fungiert als ein dezentrales Cross-Chain-System. Es ermöglicht Nutzern, nur ihre gewünschten Ergebnisse zu formulieren (z.B. „Token A zum besten Preis in Token B umtauschen“), ohne technische Details angeben zu müssen. Anschließend konkurrieren die Solver-Netzwerke darum, diese Intentionen optimal zu erfüllen, und erledigen im Hintergrund komplexe Cross-Chain-Operationen.

Dieses Produkt verändert die herkömmliche Cross-Chain-Arbeit, bei der Nutzer mehrere Chains kennen, Gebühren präzise berechnen und die beste Börse suchen müssen. Es kann zudem mit KI-Agenten integriert werden, um Transaktionen zu optimieren, wodurch die Komplexität und die Gebühren erheblich reduziert werden.
In der Praxis lag das tägliche Transaktionsvolumen von NEAR Intents seit seiner Einführung bis September dieses Jahres bei mehreren Millionen US-Dollar. Im Oktober stieg das Interesse durch den Boom im Privacy-Token-Bereich stark an, und es flossen große Summen in ZEC. Man erkannte, dass NEAR Intents der beste Kanal für ZEC sein könnte, wodurch das ZEC-Handling zum wichtigsten Anwendungsfall wurde.

On-Chain-Daten zeigen, dass das Transaktionsvolumen auf ZEC im NEAR Intents seit Oktober stark anstieg: Am 1. Oktober erreichte es 5,9 Millionen US-Dollar, nur hinter Ethereum. Bis zum 4. November stieg es auf 23,9 Millionen US-Dollar, am 7. November sogar auf 40 Millionen US-Dollar, was fast ein Drittel des gesamten Volumens ausmacht. Gleichzeitig stiegen auch die Cross-Chain-Transaktionen auf Ethereum erheblich, was zusammen das Volumen von NEAR Intents weiter ansteigen ließ.
Unter den Kanälen ist SwapKit zweifellos der führende, mit Gebühren von 4,32 Millionen US-Dollar, was über 70 % ausmacht. SwapKit ist ein B2B-Aggregator, der in große Wallets wie Trust Wallet integriert ist. Diese 400.000 US-Dollar Einnahmen stammen jedoch nur von den Solver-Algorithmen hinter SwapKit.
Der Aufstieg von NEAR Intents scheint NEAR neue Hoffnung zu geben. Viele glauben, wenn NEAR Intents die aktuellen Einnahmen halten und diese Gebühren ähnlich wie Hyperliquid an die Nutzer zurückgegeben oder durch Token-Rückkäufe genutzt werden, könnte das die aktuelle wirtschaftliche Erzählung des NEAR-Tokens deutlich verbessern.
Doch das erscheint unwahrscheinlich.
Zunächst, aus einer relationalen Perspektive: NEAR ist eine Layer-1-Blockchain, die die zugrunde liegende Infrastruktur bereitstellt. NEAR Intents ist eine Protokollschicht, die auf NEAR Layer 1 aufbaut und „Chain-Abstracting“-Dienste anbietet. Das ist vergleichbar mit einem sehr beliebten Shop in einem Einkaufszentrum, dessen Einnahmen aber nicht direkt in die Gesamtbilanz des Zentrums fließen.
Außerdem werden die meisten Einnahmen von NEAR Intents von Drittanbietern, den „Solvern“ und Market Makern (MMs), abgegriffen. Die NEAR-Hauptkette selbst erfasst nur Gas-Gebühren für Transaktionen, die nur von der Anzahl der Transaktionen abhängen, nicht vom Transaktionswert.
Bis zum 9. November wurden auf NEAR Intents 7,16 Millionen Transaktionen durchgeführt. Bei den aktuellen Gas-Preisen auf NEAR belaufen sich die Gas-Gebühren auf nur etwa 2.000 US-Dollar. Zudem sieht die Gebührenstruktur vor, dass 70 % der Gebühren verbrannt werden.
Dies erklärt, warum NEAR Intents so lebhaft ist, während die On-Chain-Gebühren von NEAR täglich nur noch einige Tausend US-Dollar betragen.


Wenn diese 400.000 US-Dollar Gebühren kaum mit den Einnahmen von NEAR zusammenhängen, ist der Aufstieg von NEAR Intents „bedeutungslos“? Objektiv gesehen liegt die Bedeutung weniger in den aktuellen Einnahmen, sondern vielmehr in der strategischen Validierung und dem zukünftigen Potenzial.
Zunächst auf strategischer Ebene: Der Aufstieg von NEAR Intents bestätigt die Vision der „Chain-Abstract“-Technologie. Er zeigt, dass diese Technologie machbar ist und es eine echte Nachfrage nach „reibungslosen“ Multi-Chain-Erfahrungen gibt. Obwohl die Nutzung von NEAR Intents derzeit noch im DeFi-Bereich liegt, zielt die Vision langfristig auf die Erweiterung in Web2 oder reale Anwendungen ab, z.B. „Buche mir einen Flug“ oder „Kaufe eine Pizza“ (offizielle Beispiele). Das „Solver“-Netzwerk soll die besten Lösungen finden und ausführen. Diese Vision ähnelt stark den aktuellen populären X402-Protokollen. AI, das in der NEAR-Ökosphäre eine wichtige Rolle spielt, könnte hier zum Branchenführer werden.
Was die anderen Daten von NEAR betrifft, so sind diese noch eher schwach: Das TVL-Ranking liegt bei Platz 42 mit nur 133 Millionen US-Dollar, und in den letzten Jahren ist es tendenziell gefallen. Die täglichen aktiven Nutzer sind derzeit bei etwa 2,9 Millionen, nach 4 Millionen zu Jahresbeginn. Angesichts der niedrigen Aktivität auf der Chain schwankt auch der Token-Preis im unteren Bereich.
Vielleicht versuchen die Entwickler, die Stimmung zu heben: Im Oktober schlug die NEAR Foundation eine neue Proposal vor, die die maximale Inflation von 5 % auf 2,5 % senken soll. Bisher erhielt diese Proposal nur etwa 60 % Zustimmung der Validatoren, während laut NEAR-Governance mindestens 80 % notwendig sind, um sie zu verabschieden.

Dennoch gibt es Branchenexperten, die NEAR aus technischer Sicht weiterhin positiv sehen. Der bekannte Krypto-Podcast „The Rollup“-Gründer Andy twitterte, er sei optimistisch hinsichtlich der Zukunft von Starknet, NEAR und ZEC. Er sieht großes Potenzial in Zero-Knowledge-Proofs, Intent-Architekturen und Privacy-Technologien.
Derzeit mag die tatsächliche Einnahme durch NEAR Intents noch gering erscheinen, doch sie bringt zumindest Aufmerksamkeit und Diskussionen in der Community. Für das NEAR-Ökosystem sind Traffic und Aufmerksamkeit momentan wohl die wichtigsten Ressourcen.