DeFi-Kreditgigant Aave überdenkt derzeit seine aggressive Multi-Chain-Expansionsstrategie. Die Aave Chan Initiative (ACI) schlägt vor, die Deployments auf zkSync, Metis und Soneium einzustellen – auf diesen Chains liegen die jährlichen Einnahmen jeweils nur im unteren Bereich und reichen bei Weitem nicht aus, um die Betriebskosten zu decken. Der einstige „Multi-Chain-Maximalist“ wendet sich der Realität zu: Die Ära der Effizienz hat begonnen.
(Vorherige Nachrichten: Detaillierte Analyse des AAVE V4 Upgrades: Mit Modularität das Lending neu gestalten – kann der Altcoin neues Leben gewinnen?) (Hintergrund: Die Überlebenskrise von Ethereum Layer2: Von Bewertungsblasen zu drei möglichen Auswegen)
Der dezentrale Lending-Marktführer Aave überdenkt seine aggressive Strategie der Multi-Chain-Expansion. Die Aave Chan Initiative (ACI) schlägt vor, die Deployments auf zkSync, Metis und Soneium einzustellen. Der von der Aave-Community initiierte Vorschlag steht für ein Erwachen in der Krypto-Protokollwelt: Früher galt das Deployment auf möglichst vielen Chains als Zeichen von Expansion und Ambition.
Doch nun sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Wenn eine Chain nicht genügend Einnahmen für das Protokoll generiert, ist die Aufrechterhaltung der Deployment eher Kapitalverschwendung. Dies markiert nicht nur einen Strategiewechsel bei Aave, sondern sendet ein Signal an das gesamte DeFi-Ökosystem.
Das Beispiel Metis ist besonders eindrücklich: Diese von Vitalik Buterins Mutter Natalia Ameline mitbegründete Layer 2 erzeugt für Aave nur 3.000 US-Dollar Jahresumsatz. Zum Vergleich: Auf dem Mainnet erzielt Aave 142 Millionen US-Dollar Jahresumsatz – ein himmelweiter Unterschied. Wenn der für die Aufrechterhaltung eines Deployments erforderliche Entwicklungsaufwand die daraus resultierenden Einnahmen bei Weitem übersteigt, wird ein Festhalten daran zur unverantwortlichen Verschwendung.
Die brutale Wahrheit, die die Zahlen zeigen
Das Erschreckendste an ACIs Vorschlag ist nicht die Entscheidung selbst, sondern die Zahlen, die sie belegen. Aave ist auf 18 Chains aktiv, doch die meisten davon sind Verlustgeschäfte. Auf Metis liegt der Jahresumsatz bei nur 3.000 US-Dollar, Soneium schneidet mit 50.000 US-Dollar etwas besser ab. Diese Zahlen sind im Vergleich zu den 142 Millionen US-Dollar Jahresumsatz auf Ethereum-Mainnet verschwindend gering.
Erschwerend kommt hinzu, dass diese Chains mit niedrigen Einnahmen zusätzliche Entwicklungsressourcen benötigen. Jedes neue Asset, jedes Upgrade erfordert Zeit und Anpassung durch das Aave-Tech-Team. Angesichts knapper personeller Ressourcen ist der Grenznutzen dieser Kosten nahezu null. ACI stellt klar: „Angesichts der derzeitigen Auslastung der Dienstleister und der geringen Einnahmen sind diese Aufgaben derzeit nicht mehr durchführbar.“
Metis Jahresumsatz: $3.000 (mitbegründet von Vitalik Buterins Mutter Natalia Ameline) Soneium Jahresumsatz: $50.000 (Sony-unterstützte Layer 2) Ethereum Mainnet Jahresumsatz: $142.000.000 (Hauptanteil der Aave-Einnahmen) Base Jahresumsatz: $4.700.000 (TVL nur $1,8 Mio.) Künftige Deployment-Schwelle: Mindestens $2.000.000 Jahresumsatz erforderlich
Vom Multi-Chain-Maximalismus zur gezielten Auswahl
Aave war einst ein Vorreiter bei Multi-Chain-Deployments. In der Anfangsphase des Projekts wurde jede neue Chain ohne große Bedingungen unterstützt. Es gibt das bekannte Beispiel, dass zkSync Aave den größten Anteil des ZK-Token-Airdrops gewährte, noch bevor Aave dort live war. Dieses „Wir kommen, egal welche Bedingungen“-Mindset gehört jedoch der Vergangenheit an.
Die Annahme dieses Vorschlags markiert einen grundlegenden Wandel im Denken von DeFi-Protokollen. Die Frage ist nicht mehr „Auf welchen Chains sollten wir vertreten sein?“, sondern „Auf welchen Chains sollten wir vertreten sein UND profitabel bleiben?“ Dieser feine, aber entscheidende Unterschied spiegelt wider, dass der Kryptomarkt vom Wildwuchs zur rationalen Betriebsführung übergeht. Aaves Entscheidung wird zum Vorbild für andere Protokolle: Überleben und Profitabilität haben Priorität vor bloßer Expansion und Ambition.
Aave betreibt mehrere V3-Instanzen, jede davon verursacht Betriebskosten und Risiken. Wir sind der Ansicht, dass deren Einnahmen die damit verbundenen Kosten und Risiken nicht aufwiegen.
Gleichzeitig schlägt die ACI vor, für andere Chains mit niedrigen Einnahmen, die aber strategischen Wert haben (z. B. Polygon, Gnosis, BNB Chain, Optimism), einen „Stablecoin Reserve Factor“ einzuführen – eine Kompromisslösung. Auch wenn diese Chains die 2-Millionen-Dollar-Jahresumsatz-Grenze nicht erreichen, ist Aave bereit, durch spezielle Mechanismen (wie das Sperren von Stablecoin-Assets) die Deployments aufrechtzuerhalten. Das zeigt: Aave trennt nicht einfach radikal ab, sondern wählt differenziert aus.
Stimmen aus der Community: Sorge um Zentralisierung
Nicht alle Aave-Governance-Teilnehmer unterstützen diesen Vorschlag. Die Gegenstimmen befürchten vor allem eine zu starke Zentralisierung. Tokenholder Nano merkt an, dass Aave bei Annahme des Vorschlags fast nur noch auf den Top-Chains (Ethereum, Base, Avalanche, Arbitrum) aktiv wäre, was „Aaves Präsenz im Ökosystem stark verringert und die potenzielle Nutzerbasis erheblich verkleinert.“
Diese Sorge ist nicht unbegründet. Wenn sich die Einnahmen und die Bedeutung eines Protokolls zu sehr auf wenige Chains konzentrieren, bedrohen etwaige Risiken (technische Fehler, regulatorische Änderungen, sinkende Nutzung) auf einer dieser Chains direkt die Sicherheit des Protokolls. Doch auch ACIs Antwort ist nachvollziehbar: Deployments zu stützen, die sich nicht selbst tragen können, würde die Gesamt-Effizienz von Aave schwächen.
TokenLogics ausgewogene Argumentation
Aaves führender Governance-Berater TokenLogic nimmt eine differenzierte Position ein: Er unterstützt die Aufgabe der Deployments auf zkSync, Metis und Soneium – da diese strukturell nicht tragfähig seien. Bei anderen Chains mit niedrigen Einnahmen, wie Polygon, BNB Chain und Optimism, plädiert er jedoch für Zurückhaltung, da sie „strategisch wichtig“ seien.
ACI-Gründer Marc Zeller signalisiert ebenfalls Bereitschaft zu Ausnahmen. Er nennt als Beispiel Celo: Trotz niedriger Einnahmen hätte Celo viele Nutzer und niedrige Wartungskosten – ein Abbau sei daher nicht sinnvoll. Diese flexible Haltung zeigt: Aaves Entscheidungen sind kein Kahlschlag, sondern basieren auf einer mehrdimensionalen Bewertung.
Fazit
Der Vorschlag der Aave DAO spiegelt wider, dass DeFi-Protokolle einen Mentalitätswandel durchlaufen: Das Einstellen von Deployments mit niedrigen Einnahmen ist kein Rückzug, sondern Fokussierung. Durch die Festlegung einer Mindesteinnahme von 2 Millionen US-Dollar pro Jahr setzt Aave einen neuen Maßstab im Ökosystem: Nicht jede Expansion lohnt sich – nur Deployments, die Protokoll und Nutzern echten Mehrwert liefern, sollten bestehen bleiben. Wird der Vorschlag angenommen, markiert das das Ende einer Ära – der Ära des Multi-Chain-Maximalismus – und den Beginn einer neuen Zeit: einer präzisen, effizienten und nachhaltigen Multi-Chain-Strategie. Es zählt nicht mehr die schiere Anzahl der Chains, sondern dass jede einzelne Chain ihren Wert selbst belegen kann.
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