Das Analystenteam der HSBC Holdings Plc veröffentlichte am 29. Juni einen Bericht, in dem es warnte, dass eine starke Aufwertung des US-Dollars zu einem der größten „Pain Trades“ am Devisenmarkt im zweiten Halbjahr werden könnte. Es wies darauf hin, dass diese Rallye „explosiv“ werden könnte, falls die Fed ein Signal für eine über den Markterwartungen liegende Zinserhöhung aussendet oder die geopolitischen Spannungen wieder eskalieren. HSBC nannte gleichzeitig die Abflachung der US-Staatsanleiherenditekurve als zweitgrößten „Pain Trade“.
Zwei Bedingungen für eine „explosive“ US-Dollar-Rallye
Laut dem HSBC-Bericht vom 29. Juni könnten folgende zwei Szenarien eine noch explosivere Aufwertung des US-Dollars auslösen:
Fed-Signal für Zinserhöhung über Markterwartungen hinaus: Sollte die Fed ein Signal für eine Zinserhöhung senden, die über die aktuellen Marktpreise hinausgeht, würde dies den Aufwertungsdruck auf den US-Dollar erheblich verstärken.
Eskalation geopolitischer Spannungen: Ein erneutes Aufflammen geopolitischer Risiken treibt traditionell Marktgelder in den US-Dollar als sicheren Hafen.
HSBCs Basisszenario ist eine allmähliche Stärkung des US-Dollars bis zur ersten Hälfte des Jahres 2027; die „explosive“ Rallye ist ein Extremrisikoszenario (Tail Risk) und kein Basisszenario.
Aktuelle Devisenmarktdaten: Indexhoch, Hedgefonds-Positionen und Druck auf Euro und Yen
Der Bloomberg US-Dollar-Index stieg Anfang Juni 2026 auf ein Siebenmonatshoch, gestützt durch hawkische Signale der Fed und starke US-Wirtschaftsdaten. Die Long-Positionen der Hedgefonds in US-Dollar erreichten ein 16-Monats-Hoch, was auf die allgemeine Markterwartung einer weiteren Dollarstärke hindeutet.
Andere Hauptwährungen stehen unter Druck: Die Eurozone schwächt sich aufgrund der Aussicht auf fallende Ölpreise ab; der Yen fiel aufgrund von Bedenken, dass die japanische Regierung eine Verlangsamung der Zinserhöhungen durch die japanische Notenbank wünscht, auf ein 40-Jahres-Tief. Bloomberg-Stratege Kristine Aquino sagte: „Obwohl die Stärke des US-Dollars gegenüber den meisten G10-Währungen in diesem Jahr unbestreitbar ist, könnte sein Aufwärtspfad von Volatilität geprägt sein.“
Zweitgrößter „Pain Trade“: Verflachung statt Versteilerung der US-Anleiherenditekurve
Der von HSBC genannte zweitgrößte „Pain Trade“ resultiert aus der Umkehr am US-Staatsanleihemarkt. Zu Jahresbeginn erwartete der Markt allgemein, dass Zinssenkungen der Fed die Renditekurve versteilern würden, doch aufgrund hartnäckiger Inflation, eines starken Arbeitsmarkts und der hawkischen Haltung der Fed flachte die Kurve stattdessen ab.
Die politikempfindliche zweijährige US-Anleiherendite ist seit Jahresbeginn um über 60 Basispunkte gestiegen, die zehnjährige Rendite nur um etwa 20 Basispunkte – entgegen den Erwartungen der meisten Marktteilnehmer zu Jahresbeginn.
Häufig gestellte Fragen
Was genau bedeutet „Pain Trade“ im Devisenmarkt?
Ein „Pain Trade“ bezeichnet eine Marktbewegung entgegen der vorherrschenden Positionierung, die Inhaber dieser Positionen zu Glattstellungen und Verlusten zwingt. HSBC verwendet diesen Begriff hier, um zu bedeuten, dass bei einem starken Anstieg des US-Dollars viele Marktteilnehmer, die auf einen fallenden Dollar setzen, erhebliche Verlustrisiken tragen müssten, insbesondere institutionelle Anleger mit konzentrierten Positionen.
Warum erhöhte die Fed-Sitzung im Juni das Risiko einer „explosiven“ Rallye am Devisenmarkt?
Laut dem HSBC-Bericht gaben die Entscheidungsträger der Fed auf ihrer Juni-Sitzung kaum einen Ausblick und konzentrierten sich stark auf die Inflation, was es dem Markt erschwerte, den Zinssenkungs- oder Zinspausepfad der Fed vorherzusagen. Dies veranlasste den Markt, sich wieder auf die Zinsdifferenz zwischen den USA und anderen großen Volkswirtschaften zu konzentrieren, und trieb den Dollar in den letzten zwei Wochen gegenüber allen Hauptwährungen nach oben.
Was ist der Unterschied zwischen HSBCs Basisszenario einer „allmählichen Dollarstärke“ und dem „explosiven Aufschwung“ als Extremrisiko?
HSBCs Basisszenario ist eine allmähliche Stärkung des US-Dollars bis zur ersten Hälfte des Jahres 2027. Die „explosive Rallye“ ist ein Extremrisikoszenario, das einen der beiden Auslöser (Fed-Signal für überraschende Zinserhöhung oder deutliche geopolitische Eskalation) erfordert und andernfalls nicht im Hauptprognosepfad von HSBC liegt.